Heimat

 

Heimat ist eng. Vertraut wie ein Käfig, warm wie ein Nest. Sie ist die Strasse der Kindheit, eine Wohnung, meine Träume, mein Hafen zur Welt. Sie ist all meine Lieben und meine Toten, sie ist meine Stadt, in der ich gerne lebe. Heimat ist die Mauer, an der ich mir den Kopf einrenne. Sie ist der Safe, der nicht geöffnet wird, all ihr Diebesgut, ein Schloss im Bedarfsfall gegen das, was neu ist und fremd. Sie ist die Federn in meinem Nest, und die Katze, die den Vogel frisst; sie ist schön und sie ist leer. Sie strahlt und stört sich am Unglück nicht. Sie trillert das Loblied auf den Eigennutz. Meine Heimat ist ein Garten, der ist beklemmend eng. Aber sie ist der Boden, auf dem ich geh.

 

Silvia Strahm Bernet

 

 

© Silvia Strahm 2017 / Essay