Grounding

 

Stillstand. Nicht im Guten, sondern als Scheitern. Kein Innehalten. Ein zu Boden gehen. An die hochfliegenden Plänen hängt sich das Bleigewicht der Tatsachen. 

 

Besser Scheitern

 

Nicht das Gelingen, das Scheitern ist unser Element. Ein Programm ist es nicht, aber ein Ausweg, aus dem Zwang zum Erfolg, dem Ausblenden der Risiken, die jedes Tun begleiten und ihm immer wieder vor der Nase die Türen verschliessen. Klug wird genannt, wer sich damit abzufinden weiss, dass nichts wirklich gelingt, oder nur vorläufig. Und dennoch weiter alles tut, was Not tut – gegen die jederzeit nachwachsende Not. „Nicht weil sein Leben zu kurz war, kam Moses nicht ins gelobte Land, sondern weil es ein menschliches Leben war“, schrieb einst Franz Kafka, hellsichtig und nur schwer zu ertragen. Dass man uns so wenig Hoffnung macht! Uns das Erreichte immer wieder aus den Händen nimmt, wie einem unartigen Kind! 

 

Nicht aufgeben

 

Die Karwoche grounding zu nennen, ist gewagt. Und anregend. Es hiesse also, zu Boden gehen und es ertragen. Den Dingen auf den Grund gehen und erneut Boden gewinnen, im hartnäckigen Prüfen dessen, was Bestand hat und doch den Flug nicht hindert – den Flug der Phantasie, die nötig ist, damit sich etwas ändert, zum Besseren, für alle. In unserer Mitte ist einer, der hat es vorgemacht, ist zu Grunde gegangen und hat uns dennoch den Himmel gelassen, und eine neue Erde. Als offenes Versprechen.

 

Erde und Himmel mag ein Kreuz verbinden, aber der an ihm hängt, fliegt himmelwärts.

 

Silvia Strahm Bernet

 

 

© Silvia Strahm 2017 / Essay